Christina Foerster im Interview mit dem DVF

Nachhaltige und attraktive Mobilität der Zukunft braucht Teamwork

Das DVF startet sein neues Dialog-Format „DVFragt nach“ mit Christina Foerster, die dem DVF-Präsidium seit kurzem angehört. Foerster wurde am 1. Januar 2020 in den Vorstand der Deutschen Lufthansa AG berufen und übernahm das Ressort „Customer, IT & Corporate Responsibility“. Seit dem 30. Juni 2020 ist sie zudem für die Bereiche „IT und Digitalisierung“ sowie den Lufthansa Innovation Hub verantwortlich. Foerster startete ihre Karriere im Konzern 2002 als Projektmanagerin und kennt das Unternehmen somit aus verschiedenen Positionen heraus sehr gut.

Christina Foerster
Christina Foerster

Frau Foerster, herzlich Willkommen im Präsidium des DVF! Wir möchten unsere neue Serie „DVFragt nach“ mit Ihnen beginnen. Wie ist Ihr erster Eindruck von der Zusammenarbeit mit Ihren Präsidiumskollegen der unterschiedlichen Verkehrsträger?

Der Ausstauch macht Freude und ist wertvoll. Nachhaltige und attraktive Mobilität der Zukunft braucht Teamwork. Kein Verkehrsträger allein wird die vor uns liegenden Aufgaben meistern können. Das DVF ist eine wichtige Plattform, um gemeinsam Ideen und Konzepte zu erarbeiten und diese gegenüber den politischen Entscheidungsträgern zu vertreten. Im verkehrspolitischen Dialog ist das DVF seit Jahren eine starke Stimme.

Corona hat unsere gesamte Gesellschaft und Wirtschaft schwer getroffen, besonders aber den Luftverkehr. Wie haben Sie Ihren Start in der neuen Position mit dieser dramatischen Entwicklung erlebt?

Nach den drei erfolgreichsten Jahren der Unternehmensgeschichte sind wir unverschuldet in die bislang größte Krise geraten. Diese Krise ist eine Zäsur, sie wird die Lufthansa Group langfristig verändern. Jetzt kommt es darauf an, dass Beste aus der Situation zu machen, das heißt möglichst viele Arbeitsplätze wie nur möglich zu erhalten und den Konzern gleichzeitig für die Zukunft stark aufzustellen. Das verlangt allen Beteiligten enorm viel ab. Aber ich spüre auch einen großen Zusammenhalt und viel Engagement im Unternehmen. Deswegen bin ich zuversichtlich, dass wir die Krise gut meistern werden. Aber klar ist: der Weg wird lang und beschwerlich.

 

Diese Krise ist eine Zäsur, sie wird die Lufthansa Group langfristig verändern.

 

Seit Corona scheint jedes Bundesland und jedes EU-Mitgliedsland andere Vorschriften zu setzen. Was erhoffen Sie sich von der Politik, auch von der europäischen?

Ja, in der Tat: Wechselnde und uneinheitliche Einreise- und Quarantäneregeln erschweren die Erholung des Luftverkehrs erheblich. Viele Menschen wollen oder müssen reisen, aber der Flickenteppich an Reiserestriktionen schreckt sie ab. Die Welt bleibt – trotz Pandemie – wirtschaftlich und kulturell eng verflochten. Deswegen muss, sobald die Gesamtlage es zulässt – also das Infektionsgeschehen wieder kontrollierbarer ist – auch der Flugverkehr in größerem Umfang wieder möglich werden. Ziel muss es sein, Infektionsschutz und Reisefreiheit bestmöglich zu vereinbaren. Daran arbeitet die Lufthansa Group intensiv. Aber auch die Politik in Berlin und Brüssel muss differenzierte Lösungen finden. Dazu gehört eine konsequente und flächendeckende Teststrategie. Sie bietet mehr Sicherheit als Quarantänevorschriften, deren Einhaltung nur schwer kontrollierbar ist. Verbindliche negative Tests bei Abflug oder Rückkehr sind der Schlüssel, um Flugverkehr in der Pandemie zu ermöglichen. Außerdem sollte die Bundesregierung bilaterale Vereinbarungen mit anderen Ländern treffen, um gegenseitig gesundheitlich sicheres Reisen zu ermöglichen.

 

Infektionsrisiken minimieren und die Gesundheit von Kunden und Crews zu schützen, ist oberstes Ziel der Lufthansa Group.

 

Was können die Airlines selbst tun, um das Vertrauen ihrer Kunden in dieser schwierigen Lage zu sichern?

Infektionsrisiken minimieren und die Gesundheit von Kunden und Crews zu schützen, ist oberstes Ziel der Lufthansa Group. Gleich zu Beginn der Pandemie haben wir umfassende Hygienemaßnahmen eingeführt, darunter eine strenge Maskenpflicht an Bord. Grundsätzlich ist das Risiko, sich an Bord eines Flugzeugs mit dem Virus anzustecken, sehr gering. Durch eine vertikale Luftströmung und den Einsatz von Hochleistungsfiltern, die dem Standard der Filter eines klinischen Operationssaals entsprechen, ist die Luft an Bord äußerst sauber. Vor dem Hintergrund der ständig wechselnden Einreisestimmungen bieten die Netzwerk Airlines der Lufthansa Group ihren Passagieren einen besonderen Schutz: Neben sehr flexiblen Umbuchungsmöglichkeiten erhalten Reisende unabhängig vom gebuchten Tarif eine grundsätzliche Rückfluggarantie auf allen europäischen Strecken.

 

Das Verfahren basiert auf biometrischer Gesichtserkennung und ermöglicht Passagieren einen berührungslosen Zugang zu den Sicherheitskontrollen und den Boarding-Gates.

 

Lufthansa hat ein neues Konzept vorgestellt: „Star Alliance Biometrics“. Was können wir uns darunter vorstellen und welche Vorteile sind damit verbunden?

Das ist eine neue Technologie zum kontaktlosen Reisen, die die Star Alliance entwickelt hat. Lufthansa und SWISS bieten diesen Service seit November als erste Airlines weltweit ihren Vielfliegern auf ausgewählten Flügen an. Das Verfahren basiert auf biometrischer Gesichtserkennung und ermöglicht Passagieren einen berührungslosen Zugang zu den Sicherheitskontrollen und den Boarding-Gates. Anstatt die Bordkarte vorzuzeigen, reicht ein Blick in eine Kamera. Das System erhöht nicht nur Tempo und Komfort der Abläufe am Flughafen, sondern leistet durch das kontaktlose Passieren einen weiteren Beitrag zum Gesundheitsschutz.

Und weil wir kurz vor Weihnachten stehen, abschließend eine persönliche Frage: Was wünschen Sie sich unterm Tannenbaum?

Perspektiven. Natürlich wird die Pandemie uns noch eine ganze Weile beschäftigen, aber ich sehe auch Entwicklungen, die Hoffnung machen, etwa die Impfstoffe. Persönlich freue ich mich auf ein paar ruhige Momente zum Durchatmen, um dann mit neuem Schwung in 2021 zu starten.