Özdemir: Verdoppelung Fahrgastzahlen bei Schiene wird für die nächste Bundesregierung erklärtes Ziel bleiben

Bahnfahrer*innen in Deutschland, Österreich und Italien glücklich machen ist das Ziel

Berlin, 19.05.2021

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Özdemir: Verdoppelung Fahrgastzahlen bei Schiene wird für die nächste Bundesregierung erklärtes Ziel bleiben

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Berlin, 20. Mai 2021 – Der Vorsitzende des Ausschusses für Verkehr und digitale Infrastruktur und Vorsitzender der Parlamentsgruppe Schienenverkehr im Deutschen Bundestag, Cem Özdemir, MdB äußerte auf der vom DVF organisierten Veranstaltung "Mehr Qualität beim Bahnfahren – Was ist Kund*innen wichtig?" die Erwartung, dass die Verdoppelung der Fahrgastzahlen auch für die kommende Bundesregierung als Ziel bestehen bleiben werde.

"Nun geht es auch darum, die durch die Pandemie verlorenen gegangenen Fahrgäste für den Schienenverkehr zurückzugewinnen. Dafür ist es unter anderem wichtig, die Qualität, das Angebot und das Ticketing auf hohem Niveau zu halten und zu verbessern, etwa durch stabilen Internetempfang im Zug, einfaches Ticketkaufen für die gesamte Reisekette, schnelle Reisezeiten und nahtloses Umsteigen", so Özdemir. Die Einführung des Deutschlandtakts werde parteiübergreifend unterstützt und sicher auch ein Ziel für die nächste Legislaturperiode bleiben, hinter das keine zukünftige Koalition mehr zurückfallen könne.

Alessandra Molina, Gesandte Italienische Botschaft Berlin, führte in ihrem Vortrag aus, dass Italien mit der Einführung des Wettbewerbs auf dem Hochgeschwindigkeitsnetz eine erhebliche Erhöhung der Fahrgastzahlen erfuhr. In den Jahren von 2009 bis 2019 nutzten insgesamt rund 350 Millionen Fahrgäste die Hochgeschwindigkeitszüge. Das Passagieraufkommen sei von 6,5 Millionen pro Jahr auf 40 Millionen pro Jahr (2018) gestiegen – das ist eine Steigerung von mehr als 500 Prozent. Die Hochgeschwindigkeitsbahn sei eine echte Mobilitätsrevolution in Italien, so Molina weiter. Damit seien die italienischen Städte untereinander in kürzester Fahrzeit erreichbar. Der Erfolg habe unter anderem seine Ursache in der Liberalisierung des Hochgeschwindigkeitsnetzes, die Italien als erstes europäisches Land durchgeführt habe. Der Wettbewerb habe zur Senkung der durchschnittlichen Fahrpreise um 41 Prozent geführt sowie zu unterschiedlichen und besseren Serviceangeboten und effizienterer Nutzung des Hochgeschwindigkeitsnetzes.

Qualität – Nachhaltigkeit – Zukunftsaussichten

CEO, Executive Vice President Division Deutschland, Mitglied der Konzernleitung, Stadler Deutschland GmbH Jure Mikolčić bezeichnete Züge als Fortbewegungsmittel der Zukunft: „Nachhaltig und auf die Bedürfnisse ihrer Fahrgäste anpassbare Züge bieten für alle Reisenden Lösungen: Von speziell ausgestatteten Arbeitsbereichen bis hin zu erlebnisorientierten Kinder- und Familienwagen kann die Reisezeit im Zug individuell optimal genutzt werden. Dabei stehen Züge in Deutschland und Europa dem Flugzeug auf Kurzstrecken in puncto Schnelligkeit in nichts nach: Die Zeit, um vom Start- zum Zielort zu kommen, ist vergleichbar. Die Reise im Zug ist komfortabler, konsistenter und umweltfreundlicher.“

Die Nachhaltigkeit des Zugfahrens unterstrich auch Molina. So habe der Zug auf der verkehrsreichsten Strecke Mailand – Rom im Vergleich zum Flugzeug einen dreifach geringeren Energieverbrauch und einen vier Mal niedrigeren CO2-Ausstoß.

Auch Torsten Herbst, MdB, stellv. Vorsitzender der Parlamentsgruppe Schienenverkehr im Deutschen Bundestag, Obmann der FDP-Fraktion im Ausschuss für Verkehr und digitale Infrastruktur im Deutschen Bundestag, befand, dass die Bahn in Deutschland alle Chancen habe, ein erfolgreicher Verkehrsträger der Zukunft zu werden, der durch Zuverlässigkeit, Service und wettbewerbsfähige Preise seine Kunden begeistert: „Allerdings stoßen die vorhandenen Kapazitäten des Schienennetzes vielerorts schon heute an ihre Grenzen. Die Infrastruktur muss daher ausgebaut und deutlich schneller modernisiert werden. Die Möglichkeiten der Digitalisierung und der Vereinfachung von Planungs- und Genehmigungsverfahren sind noch nicht einmal ansatzweise ausgeschöpft.“

„Die Bahn ist ein überlegenes Verkehrsmittel – wenn die Verbindungen gut sind, die Anschlüsse erreicht werden und die (Störungs-) Kommunikation funktioniert. Wenn diese „Grundbedürfnisse" gesichert sind, freut sich die Kundin über stabiles W-LAN, komfortable Gepäckunterbringung und reibungslose Übergänge zu anderen Verkehrsmitteln!“, urteilte Prof. Dr. Susanne Hahn, Mitglied des Gründungsbeirats Zentrum für Mobilität, Institut für Philosophie, Heinrich-Heine Universität Düsseldorf.

Preis und Ticketing

Mag. Michaela Huber, Vorständin der ÖBB-Personenverkehr AG: „Den direkten Kontakt zu unseren KundInnen wollen wir als Mobilitätsdienstleister in Zukunft nicht den Plattformen überlassen. Wir selbst werden den Fahrgästen Mobilität in ihrer Gesamtheit anbieten und uns zur umfassenden Mobilitätsplattform entwickeln. Gleichzeitig investieren wir in die Entwicklung digitaler Apps, mit denen unsere Fahrgäste sämtliche Services entlang der Mobilitätskette bequem buchen und bezahlen können.“

„Durch die Corona-Pandemie hat sich das Mobilitätsverhalten der Bürgerinnen und Bürger in Deutschland grundlegend verändert. Insbesondere die vermehrte Arbeit im Home Office wird auch zukünftig dazu führen, dass viele Arbeitswege im Jahr wegfallen und viele Pendler ihre laufenden Abonnements für den ÖPNV überdenken“, so Herbst. Daher sei es eine Aufgabe für Verkehrsunternehmen und Tarifverbünde, auf diese Flexibilisierung des Reiseverhaltens mit einer Vereinfachung und Flexibilisierung der Tarifstrukturen zu reagieren.

Wie dies funktionieren kann, zeigte das Beispiel aus Österreich: ÖBB-Chefin Huber stellte ein neues Jahresticket – das Klimaticket - vor, welches es dem Nutzer erlauben werde, für 1.095,- Euro im Jahr alle öffentlichen Verkehrsmittel unbegrenzt zu nutzen.

Vernetzung und Infrastruktur

„Für möglichst viele Bahnverbindungen in Europa brauchen wir den Ausbau der Bahninfrastruktur und den Abbau technischer Barrieren. Unterschiedliche nationale Vorschriften, unterschiedliche Sicherungs- und Bahnstromsysteme erschweren noch immer den grenzüberschreitenden Bahnverkehr in Europa. Zudem braucht es faire wirtschaftliche Rahmenbedingungen unter den Verkehrsträgern, um den europäischen Personenverkehr auf der Schiene günstig, sicher, bequem und vor allem kundenfreundlich zu gestalten“, sagte Huber. Jeder Verkehrsträger solle dort eingesetzt werden, wo er sinnvoll sei – also längere Strecken mit dem Flugzeug. Die Verkehrsmittel sollten sinnvoll miteinander verknüpft werden, daher habe die ÖBB eine Kooperation mit Austrian Airlines beispielsweise mit einem gemeinsamen Ticket.

Mikolčić machte hier nochmals auf die große Bedeutung des Ausbaus der digitalen Infrastruktur entlang der Schienenstrecken aufmerksam. Die Kunden und Kundinnen würden in den Zügen eine störungsfreie Internetverbindung erwarten. Wenn die Bahn mehr Fahrgäste erreichen wolle, sei dies ein wichtiger Serviceaspekt.

Innerhalb Deutschlands sah Herbst noch Verbesserungsbedarf bei der Vernetzung der verschiedenen Verkehrsmittel. Er erklärte, dass eine komfortablere Anbindung von Flughäfen an das Schienennetz das Mobilitätsangebot in Deutschland deutlich verbessern würde. „Die Forderung auf Zubringerflüge gänzlich zu verzichten und stattdessen die Deutsche Bahn zu nutzen, läuft angesichts der gegenwärtig schlechten Flughafenanbindung jedoch ins Leere. So haben gegenwärtig nur 25 Prozent der deutschen Flughäfen mit internationalen Verbindungen überhaupt einen Fernzuganschluss. Viele Regionen liegen auch zu weit weg von den großen deutschen Drehkreuzen. Eine Bahnfahrt von über sechs Stunden ist keine wirkliche Alternative zum 50-minütigen Zubringerflug. Dennoch lässt sich die Zuganbindung der Flughäfen noch deutlich verbessern.“