Verkehr muss im Nationalen Sicherheitsrat einen ständigen Platz haben

DVF-Präsidium im Gespräch mit dem Stellvertreter des Befehlshabers des Operativen Führungskommandos der Bundeswehr und Kommandeur Territoriale Aufgaben Generalleutnant André Bodemann

06.11.2025

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V. l. Magnor, Bodemann, Dr. Prümm
V. l. Magnor, Bodemann, Dr. Prümm

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Berlin, 6. November 2025 – Das Präsidium des Deutschen Verkehrsforums (DVF) hat sich auf seiner Herbstsitzung mit dem Stellvertreter des Befehlshabers des Operativen Führungskommandos der Bundeswehr und Kommandeur Territoriale Aufgaben Generalleutnant André Bodemann über die neuen sicherheitspolitischen Anforderungen und den Beitrag des Verkehrssektors ausgetauscht.

DVF-Präsidiumsvorsitzender Dr. Pierre Dominique Prümm, Vorstand Aviation und Infrastruktur Fraport AG, verwies auf die Bedeutung der Infrastruktur für die Verteidigungsfähigkeit Deutschlands. Militärische Mobilität sei mittlerweile ein zentrales Ziel der Verkehrspolitik. „Nicht umsonst hat die Bundesregierung das NATO-Ziel von 1,5 Prozent des BIP für Investitionen in die militärisch nutzbare Infrastruktur bekräftigt. Das unterstreicht die Bedeutung, die tragfähige Brücken, Straßen und Schienenwege sowie logistische Infrastrukturen in Häfen und Flughäfen auch für unsere Sicherheit haben. Damit hat die Politik eine doppelte Verantwortung, unsere Infrastruktur nicht nur schnell verteidigungsfähig zu machen, sondern auch langfristig auf eine sichere Grundlage zur stellen“, sagte Prümm. „Dieser Investitionsbedarf muss zusätzlich zu den ohnehin für die Sanierung der Verkehrswege notwendigen Finanzmitteln abgesichert werden.“

Dr. Prümm forderte darüber hinaus eine engere Zusammenarbeit zwischen Mobilitäts- und Verteidigungssektor. „Für die praktische Verteidigungsbereitschaft ist eine enge Koordination zwischen zivilen und militärischen Bereichen nötig. Hierfür ist Anfang des Jahres der Nationale Sicherheitsrat geschaffen worden. In diesem Gremium sollte der Verkehrssektor über das Bundesverkehrsministerium einen festen Platz haben – nicht nur anlassbezogen.“ Derzeit behinderten bürokratische Hürden wie endlose Planungs- und Genehmigungsverfahren, Beschaffungsregeln und unterschiedliche Auslegungen von Sondergenehmigungen sowohl die Verkehrswirtschaft als auch die Bundeswehr. Beim Thema Regulierung forderte der DVF-Präsidiumsvorsitzende Augenmaß. Aus Sorge vor Zugriff auf kritische Infrastrukturen dürfe es in Deutschland und Europa nicht zu einer wettbewerbsbehindernden Marktabschottung kommen.

Generalleutnant Bodemann betonte, dass es angesichts der sicherheitspolitischen Lage in Europa, des zur Verfügung stehenden Finanzrahmens und der Notwendigkeit zur Stärkung der nationalen Resilienz sinnvoll sei, künftige Investitionen, wo immer möglich, so zu gestalten, dass diese sowohl zivilen als auch militärischen Zwecken dienen können. „Dies betrifft insbesondere Investitionen in unsere Verkehrsinfrastruktur, die einerseits für den Aufmarsch von alliierten Kräften an die NATO-Ostflanke und damit einen wesentlichen Teil einer glaubhaften Abschreckung darstellen und andererseits für die Bevölkerung und die Wirtschaft ebenso von erheblichem Nutzen sind.“

Hinsichtlich der notwendigen Redundanz sagte Bodemann: „Auch hier leiten sich aus den Planungen für einen zeitgerechten und reibungslosen Aufmarsch wesentliche Folgerungen ab. Der Operationsplan Deutschland sieht neben einer Hauptplanung auch Alternativ- und Notfallplanungen für den Aufmarsch vor, um auf alle möglichen Eventualitäten bis hin zur Sabotage oder sogar zu Angriffen z. B. auf Brücken und Eisenbahnverbindungen rasch und flexibel reagieren zu können. Diese Planungen betreffen alle Verkehrsträger. Daher ist es von großer Bedeutung, dass es neben der Finanzierung zur Sicherstellung der Einsatzbereitschaft der Bundeswehr auch einen Finanzrahmen für die Ertüchtigung unserer Verkehrsinfrastruktur gibt. Diesbezüglich liefert die Bundeswehr die aus ihrer Sicht notwendigen Informationen für eine erforderliche Ertüchtigung von Verkehrsinfrastruktur, abgeleitet aus den Prioritäten der Verlegeplanungen.“ So seien viele Brücken nicht für heutige Panzer mit Gewichten zwischen 80 und 100 Tonnen ausgelegt. Im Kalten Krieg habe man mit 40 oder 50 Tonnen gerechnet.

„Es ist mir wichtig zu betonen, dass die Gesamtverteidigung eine gesamtstaatliche und gesamtgesellschaftliche Aufgabe ist. Dabei bildet der Operationsplan Deutschland ausschließlich einen wesentlichen militärischen Anteil an der Gesamtverteidigung ab. Der deutlich umfangreichere Anteil an Gesamtverteidigung ist jedoch die Zivilverteidigung. Gerade hier leistet die Logistikwirtschaft u. a. einen wesentlichen Beitrag zur Versorgung der Bevölkerung auch in Krise und Krieg“, sagte Bodemann.

Operationsplan Deutschland