Walter: Technologieführerschaft im Luftverkehr erhalten und Konnektivität wiederbeleben

DVF-Jahresauftaktveranstaltung

15.01.2026

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Bildquelle: DVF/Photothek: Dr. Eck (DVF), Dr. van Hoorn (DVF); Dr. Prümm; Al-Wazir MdB, Mansoori, Lange MdB, Otto, Dr. Walter, Dr. Ploß MdB, Moderation: Schellenberg.
Bildquelle: DVF/Photothek: Dr. Eck (DVF), Dr. van Hoorn (DVF); Dr. Prümm; Al-Wazir MdB, Mansoori, Lange MdB, Otto, Dr. Walter, Dr. Ploß MdB, Moderation: Schellenberg.

Berlin, 15. Januar 2026 – Bei der DVF-Jahresauftaktveranstaltung hat sich Präsidiumsmitglied Dr. André Walter (Vorsitzender der Geschäftsführung Airbus GmbH und Airbus Aerostructures GmbH) für den Erhalt der Technologieführerschaft der deutschen Luftfahrtindustrie stark gemacht und gleichzeitig Abhilfe bei der schwachen Konnektivität des deutschen Luftverkehrsstandortes gefordert: „Zwischen 2019 und 2025 ist die Zahl der Flugzeugstationierungen europäischer Punkt-zu-Punkt Verbindungen in Deutschland von 190 auf 130 gesunken. Jedes Flugzeug entspricht einem mittelständischen Betrieb, sichert 170 Arbeitsplätze und trägt 70 Millionen Euro jährlich zum BIP bei. Wir müssen die 60 verlorenen Flugzeugstationierungen zurückholen! Die Bundesregierung macht mit der Senkung der Luftverkehrsteuer einen ersten Schritt. Entlastungen im Bereich Flugsicherung und Luftsicherheit müssen folgen.“ Walter erklärte, dass die künftige Nationale Luftfahrtstrategie und das Luftfahrtforschungsprogramm sehr schlagkräftig sein müssten, um die Technologieführerschaft zu erhalten. "Jetzt muss es für die Luftfahrtindustrie darum gehen, die Basis für den A320-Nachfolger und damit für die nächsten 40 Jahre zu schaffen. Voraussetzungen sind die langfristige Ausgestaltung des Luftfahrtforschungsprogramms auf gesteigertem Niveau, d. h. die Planungssicherheit verbunden mit einer Luftfahrtstrategie, die neben den Standortkosten und Konnektivität auch die technologische Wettbewerbsfähigkeit in den Fokus stellt", sagte Walter. Davon profitierten alle mit dem Standort Deutschland verbundenen Hersteller, Zulieferbetriebe, Forschung und Entwicklung. Für Airbus und die deutsche Luftfahrtindustrie sei der A320-Nachfolger das strategische Schlüsselprojekt.

„Der Luftverkehr ist das Rückgrat für die globale vernetzte Industrie und ein wichtiger Standortfaktor für unsere Exportnation. Verlagerungen von Kapazitäten kann nicht unser Anspruch sein, daher müssen wir den Luftverkehr in allen Bereichen konkurrenzfähig machen“, sagte Ulrich Lange MdB (CDU/CSU-Bundestagsfraktion), Parlamentarischer Staatssekretär beim Bundesminister für Verkehr. Lange warnte davor, dass Investitionen nicht mehr in Deutschland stattfinden und der Luftverkehr an Wettbewerbsfähigkeit einbüße. Das Entlastungspaket der Bundesregierung für den Luftverkehr sei ein erster wichtiger Schritt, dem entgegenzuwirken. „Wir benötigen aber eine strukturelle Reform, denn eine reine Senkung der Abgabenlast reicht nicht aus, um die Wettbewerbsfähigkeit wieder herzustellen. Auch die Branche muss ihren Beitrag leisten, etwa durch die Digitalisierung der Fluggastabfertigung oder moderne Flugzeuge.“ Wichtig sei zudem der Markthochlauf von nachhaltigen Flugkraftstoffen (SAF). Klimaziele und Wachstum seien nur mit SAF zu erreichen, daher werde der Markthochlauf durch das Bundesverkehrsministerium regulatorisch und finanziell gefördert. Neben Förderanreizen sei auch die Planbarkeit für die Branche wichtig. „Aber wir dürfen keine nationalen Alleingänge machen“, warnte Lange mit Blick auf die PtL-Quote.

Kaweh Mansoori (SPD), Stellvertretender Ministerpräsident und Hessischer Minister für Wirtschaft, Energie, Verkehr, Wohnen und ländlichen Raum, befürwortete Entlastungen für die Branche: „Der Luftverkehr ist ein zentraler Standortfaktor und bleibt für Wirtschaft, Regionen und internationale Vernetzung unverzichtbar. Gleichzeitig verliert Deutschland aktuell an Konnektivität und Wettbewerbsfähigkeit, weil staatliche Kosten hoch sind und Prozesse zu langsam laufen. Das hat spürbare Folgen für Länder, Regionen und Kommunen. Vom Bund erwarten wir deshalb 2026 klare Entlastungen bei Steuern und Gebühren sowie schnellere Verfahren. Hessen wird weiter Druck machen und zeigen, dass bessere Rahmenbedingungen und effiziente Lösungen möglich sind.“

Dr. Christoph Ploß MdB, Koordinator der Bundesregierung für Maritime Wirtschaft und Tourismus sowie Berichterstatter Luftfahrt der CDU/CSU-Bundestagsfraktion, bekräftige den vom Koalitionsausschuss gefassten Beschluss: „Die CDU-geführte Bundesregierung wird die Luftverkehrsteuer in Deutschland zum 1. Juli senken und die Steuererhöhung der Ampelkoalition rückgängig machen. Ich freue mich sehr, dass sich unser kontinuierliches Engagement ausgezahlt hat und die Standortkosten dadurch gesenkt werden.“ Damit werde die Grundlage dafür gelegt, dass es wieder mehr Flüge von und nach Deutschland gibt und die Passagierzahlen an den deutschen Flughäfen steigen können. „Diese Maßnahme wird sich direkt positiv auf das Reisen vieler Menschen in Deutschland auswirken und für unsere Unternehmen wichtige Verbindungen in alle Welt sichern.“

Hingegen erwartete Tarek Al-Wazir MdB, Vorsitzender des Verkehrsausschusses des Deutschen Bundestages und Mitglied der Fraktion Bündnis90/Die Grünen, keinen nachhaltigen Effekt von der Absenkung der Luftverkehrsteuer. „Klüger wäre es, die Mittel für Zukunftsinvestitionen vor allem in die klimaneutrale Luftfahrt und Flottenmodernisierung zu investieren und die Branche so zu unterstützen“, so Al-Wazir. Die Standortkosten in Deutschland seien zwar hoch, spielten aber für die Entwicklung des Luftverkehrs eine viel geringere Rolle als allgemein angenommen. Al-Wazir machte andere Gründe aus: „Halbiert hat sich der innerdeutsche Luftverkehr vor allem durch mehr digitale Möglichkeiten und die stärkere Nutzung der Bahn, der Interkontinentalverkehr ist schon wieder auf Vor-Corona-Niveau. Die Bundesregierung sollte sich nicht unter Druck setzen lassen. Deutschland bleibt ein attraktiver Markt und die innereuropäischen Verkehre werden zurückkommen, wenn die Flugzeug-Lieferengpässe nach und nach abgebaut werden.“

Nach Auffassung von Dr. Pierre Dominique Prümm, Vorstand Aviation und Infrastruktur Fraport AG, Präsidiumsvorsitzender DVF, reicht eine Senkung der Luftverkehrsteuer nicht: „Deutschland ist weiter Schlusslicht in Europa bei der Erholung des Luftverkehrs nach der Corona-Pandemie. Die von der Bundesregierung beschlossenen Entlastungen für unsere Branche können nur ein erster Schritt sein, um den Negativtrend zu stoppen. Für eine Trendumkehr sind weitere Maßnahmen nötig. Die Luftverkehrsteuer gehört ersatzlos gestrichen. Das Beispiel Schweden zeigt, welche positiven Wachstumssprünge nach einer kompletten Abschaffung der Luftverkehrsteuer möglich sind.“

Um die Wettbewerbsfähigkeit der Branche zu verbessern, muss nach Meinung von Markus Otto, Geschäftsführer European Air Transport Leipzig GmbH und SVP Aviation Europe für DHL Group, die lähmende Bürokratie massiv abgebaut werden. Über die letzten Jahrzehnte habe sich, auch durch EU-Politik getrieben, in Deutschland ein immer größer werdender Berg an Vorgaben und Vorschriften angehäuft. Beispielhaft nannte Otto das Emissions Reporting. „Ein Vorantreiben der Digitalisierung in vielen administrativen Prozessen und vereinfachte Abläufe beispielsweise bei Anfragen zu Genehmigungen könnten unser aller Leben deutlich vereinfachen und effizienter gestalten“, sagte Otto.

Klimafreundliche Kraftstoffe

Aus der Praxis heraus bewertete Otto die Wirkung unterschiedlicher Mechanismen: „Regulatorische Vorgaben und Anreize sind dabei entscheidend: Während EU-Mischregeln erfahrungsgemäß leider hauptsächlich die Kosten zur Einhaltung der Compliance erhöht haben, treiben vor allem Steuergutschriften wie beispielsweise in den USA Investitionen in SAF-Produktionsanlagen an. Umsatzsicherheit bleibt für fortgeschrittene Projekte entscheidend. Die EU-ETS SAF Allowances (FEETS), insbesondere aber die Einführung eines Book & Claim Systems, sind bzw. wären ein wichtiger Anreizmechanismus für die Nutzung von SAF in Europa. Schwierigkeiten bei der Berücksichtigung von SAF unter EU-ETS und Unsicherheit über die langfristige Verfügbarkeit ausreichender FEETS schaffen heute aber leider viel Unsicherheit in den Wirtschafts- und Industriebranchen. Aktuell bleibt in Europa produziertes SAF damit im internationalen Vergleich schlicht zu teuer.“