Innovationen im ÖPNV gelingen nur mit Teamwork von Politik, Wirtschaft und Aufgabenträgern

InnoTrans – International Busforum des DVF

25.09.2026

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Innovationen im ÖPNV gelingen nur mit Teamwork von Politik, Wirtschaft und Aufgabenträgern

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Berlin, 25. September 2026 – Beim International Busforum des DVF auf der InnoTrans machten Branchenspitzen und Politik deutlich, dass die marktreifen Innovationen für einen automatisierten Betrieb, e-Mobilität und Vernetzung jetzt gemeinsam skaliert und zügig in den Regelbetrieb übernommen werden müssen. Um den ÖPNV fit für die Zukunft zu machen, werden vor allem eine verlässliche Finanzierung und eine starke Partnerschaft von Herstellern, Mobilitätsdienstleistern, Aufgabenträgern und Politik benötigt.

Für Marc Hermann, DVF-Präsidiumsmitglied, Vorstand Technik und Infrastruktur der Berliner Verkehrsbetriebe (BVG), reichte es dabei nicht aus, lediglich den Status quo abzusichern. „Erfolgreiche Beispiele wie die Elektrifizierung der Busflotten, das Deutschlandticket oder Jelbi zeigen, dass Innovationen zusätzliche Nachfrage, mehr Effizienz und einen höheren gesellschaftlichen Nutzen schaffen können. Genau diesen Anspruch sollten wir auch bei Zukunftsthemen wie dem autonomen Fahren verfolgen: Innovation ermöglichen, die kommunale Steuerung sichern und den ÖPNV als Rückgrat eines integrierten Mobilitätssystems stärken. Entscheidend ist dabei eine enge Zusammenarbeit von öffentlichen und privaten Akteuren, um die Verkehrswende schneller und effizienter voranzubringen.“

In Hamburg gibt es bereits erfolgreiche Beispiele. Dazu sagte Dr. Anjes Tjarks, Verkehrssenator der Freien und Hansestadt Hamburg: „Hamburg zeigt, dass der Schritt vom Pilotprojekt in den Regelbetrieb gelingen kann bei der Elektrifizierung unserer Busflotten ebenso wie bei der Vernetzung von Mobilitätsangeboten. Jetzt müssen wir diesen Weg beim autonomen Fahren konsequent weitergehen. Innovation ist kein Luxus, sondern ein wichtiger Hebel, um den ÖPNV leistungsfähiger, verlässlicher und langfristig auch wirtschaftlicher zu machen. Dafür brauchen wir weniger Sonderwege, schnellere und einheitlichere Genehmigungsverfahren, gemeinsame Standards und starke Partnerschaften zwischen öffentlicher Hand, Verkehrsunternehmen und Wirtschaft. Unser Ziel muss sein, Innovationen nicht nur in Deutschland zu entwickeln und zu erproben, sondern sie auch hier in den Regelbetrieb zu bringen und zu skalieren.“

Autonomes Fahren nun auch in Deutschland

Auch in München werden autonom fahrende Autos getestet. Kim Johanna Kohlmeyer, Head of Berlin Office & Strategic Communication, CTO Office, MAN Truck & Bus SE, warnte aber davor für jede Stadt das Rad neu zu erfinden. „Wir brauchen übertragbare Konzepte statt Insellösungen und Modellregionen, die zum Sprungbrett für die Fläche werden. Sonst pilotieren wir in Deutschland, während andere skalieren.“ Immerhin zeige MAN mit Projekten wie MINGA, BeIntelli und ATLAS-L4 was autonomes Fahren im realen Güter- und Personenverkehr leisten kann. „Als einziger europäischer Nutzfahrzeughersteller entwickeln wir autonomes Fahren in Europa für Europa. Wir sind bereit, jetzt ist es Zeit für den nächsten Schritt: Level 4 muss raus aus dem Pilotprojekt und rein in den skalierbaren Regelbetrieb. Bei der angespannten Finanzlage der Kommunen wird dieser Hochlauf nicht von allein gelingen. Wer autonomen Nahverkehr in der Fläche will, muss bereit sein, die Kommunen für den Markthochlauf finanziell zu unterstützen.“

Deutschland habe als erstes Land einen gesetzlichen Rahmen für autonomes Fahren geschaffen und damit eine wichtige Voraussetzung für erste Pilotprojekte gelegt, betonte Christoph Ziegenmeyer, Vice President Communications & Public Affais, MOIA GmbH. „Jetzt geht es darum, die Regulierung konsequent weiterzuentwickeln und die Voraussetzungen für einen großflächigen Rollout zu schaffen. Entscheidend sind dabei insbesondere bundesweit harmonisierte Betriebsbereichsgenehmigungen, damit autonome Mobilitätsangebote einfacher über einzelne Modellprojekte hinaus skaliert werden können. Gleichzeitig gilt es, noch offene regulatorische Detailfragen, etwa im Verhaltensrecht für autonome Fahrzeuge, praxistauglich zu lösen.

On-Demand Verkehre und deren Finanzierung

"On-Demand-Verkehr in Deutschland zeigt, wie Innovation erfolgreich in die Fläche gebracht werden kann – eng verzahnt mit dem lokalen ÖPNV und genehmigungsseitig als gleichwertige Säule des Nahverkehrs anerkannt“, sagte Xanthi Doubara, Managing Director DACH Via Mobility. „Doch bei der Finanzierung sind wir noch nicht durch: Nur wenige Beispiele haben es bisher in die kommunale Regelfinanzierung geschafft, das muss in der Breite gelingen. Genau diese Lektion brauchen wir für den Hochlauf autonomer Fahrzeuge im ÖPNV: klare regulatorische Leitplanken für eine schnelle und zielgerichtete Skalierung im Realbetrieb, eine integrierte Planung aller Verkehrsformen und eine Anschubfinanzierung, die die Phase überbrückt, bis autonome Fahrzeuge günstiger sind als menschlich gefahrene.“

Für Uber ist die Mobilität im ländlichen Bereich ein wichtiges Thema. Friedrich Kabler, Manager Public Policy, UBER Deutschland, zeigte, dass gerade das letzte Stück in der Reisekette im ländlichen Raum insbesondere zu Tagesrandzeiten nicht gut angebunden sei. Das Angebot sei oftsmals ungenügend. „Wir haben zusammen mit Gemeinden das Projekt „letzte Meile“ entwickelt. Über unsere App kann der Fahrgast vom Bahnhof die letzte Meile, also tatsächlich 2,5 km, für einen attraktiven Pauschalpreis mit dem Uber nach Hause fahren. Aber wir bieten auch längere Distanzen vom Bahnhof bis nach Hause an.“

Ziegenmeyer zeigte sich überzeugt, dass die Integration autonomer On-Demand-Verkehre in den öffentlichen Nahverkehr gerade in Europa großes Potenzial habe. Damit daraus ein tragfähiges Modell in der Breite werde, müssten Verkehrsunternehmen in die Lage versetzt werden, autonome Angebote schrittweise in ihre bestehenden Systeme zu integrieren und zu skalieren. „In der frühen Marktphase braucht es dafür verlässliche Rahmenbedingungen und eine gezielte Anschubfinanzierung durch die öffentliche Hand. So kann autonomes Fahren zu einem festen Bestandteil des öffentlichen Nahverkehrs werden, integriert in das bestehende Mobilitätsangebot und in die digitalen Plattformen der Verkehrsunternehmen.“

Innovative Lösungen in der Soft- und Hardware

„Im ÖPNV stehen wir vor tiefgreifenden Veränderungen: Künstliche Intelligenz kann Abläufe automatisieren, Planung und Disposition unterstützen und knappe Ressourcen effizienter einsetzen. Autonomes Fahren wird nicht nur auf dem Betriebshof für neue Möglichkeiten und Herausforderungen sorgen. Für uns zählt dabei der konkrete Nutzen im Betriebsalltag. Die vollständige Elektrifizierung der Busflotten ist ein weiterer Schwerpunkt. Unser Depot- und Lademanagement verbindet integriert einen digitalen Zwilling der Infrastruktur sowie der Umläufe, Ladeprozesse und des Energiebedarfs und steigert so die Effizienz. Das intelligente Lademanagement der IVU.suite ist Teil der -Produktwelt, die für intuitivere, stärker automatisierte und cloud-first ausgerichtete IT-Systeme steht. Unser Anspruch ist, Innovationen integriert und praxisnah mit erkennbarem Nutzen für Verkehrsunternehmen und Fahrgäste in den ÖPNV zu bringen“, sagt Bastian Dittbrenner, Geschäftsbereichsleiter Public Transport bei IVU Traffic Technologies AG.

Dirk Bestmann, Bereichsleiter Vertrieb und Verkehrswirtschaft, Hamburger Hochbahn, zeigte, wie auch in Zeiten knapper Haushaltskassen Angebote weiterentwickelt werden können: „Die HOCHBAHN ist in Deutschland wesentlicher Treiber für digitale, vernetzte und nachhaltige Verkehrslösungen. In finanziell herausfordernden Zeiten kommt es bei Innovationsvorhaben noch stärker darauf an, dass sie eine wirtschaftlich nachhaltige Realisierungsperspektive bieten. Kooperationen wie die Hamburgs und Berlins in der Metropol-Modellregion Mobilität spielen dabei eine wichtige Rolle.“

Neue innovative Fahrzeuge stellte Uwe Bittroff, Geschäftsführer Mobility Road, Hübner Group, vor: „Bei HÜBNER entwickeln wir neue Lösungen wie die Lenktechnologie für High-Capacity-Busse, um den öffentlichen Verkehr leistungsfähiger und zukunftsfähig zu machen. Im internationalen Vergleich beobachten wir allerdings in Deutschland und Europa bei der Umsetzung innovativer ÖPNV-Konzepte oft zu viel Zurückhaltung. Dabei verfügen wir hierzulande über die technischen Voraussetzungen, die wir brauchen, um den ÖPNV mit wirtschaftlicheren Systemen zu skalieren. Helfen würden uns gezielte Förderung, weniger bürokratische Hürden und mehr Mut. Nur so können wir Innovationen schneller auf die Straße bringen und die Mobilitätswende aktiv gestalten.“