ETR - Eisenbahntechnische Rundschau 09/2025
Schienenfonds: Wenn nicht jetzt, wann dann?
09.09.2025
Gastkommentar von Heike van Hoorn:
unserem Schienennetz geht es schlecht. Ein Blick in den Netzzustandsbericht zeigt: Im Jahr 2024 hat sich der Zustand des Gesamtnetzes gegenüber dem Vorjahr minimal verbessert: von Note 3,03 auf 3,0. Der Zustand von Gleisen, Weichen und Bahnhöfen ist besser geworden. Verschlechtert jedoch hat sich der Zustand der Stellwerke und der Bahnübergänge. Der Weg zu einem stabilen, modernen und leistungsfähigen Schienennetz ist noch sehr weit. Man fragt sich, wie es so weit kommen konnte.
Man fragt sich, wie dieser Sanierungsstau jetzt, da das Sondervermögen da ist, so schnell wie möglich abgebaut werden kann. Und vor allem fragt man sich: Wie können wir verhindern, dass wir je wieder in eine solche Situation kommen? (...)
Der derzeitige Sanierungsstau kann nur beseitigt werden, wenn jetzt über einen langen Zeitraum verlässlich sehr hohe Investitionsmittel in die Schiene fließen. Das Sondervermögen ist in dieser Hinsicht für die Schiene eine gute Nachricht. Jedoch: Der Gesamtbedarf für die Bundesschienenwege von 2025 bis 2030 beträgt 156 Milliarden Euro. Planungssichere Mittel bis 2030 können auf 117,4 Milliarden Euro beziffert werden, woraus ein ungesicherter Finanzbedarf von 38,6 Milliarden Euro resultiert. Hier muss noch nachgebessert werden. Neben einer Entrümpelung und Flexibilisierung der Finanzierungsinstrumente gehören darüber hinaus auch Maßnahmen zur Beschleunigung und zum Bürokratieabbau dazu, z.B. Stichtagsregeln in Planungsverfahren, Standardisierungen im Umweltrecht oder vereinfachte Vergabe- und Zulassungsverfahren. (...)