60 Prozent der bayerischen Exporte laufen über den Hamburger Hafen

12.12.2025

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© HHLA_ Martin Elsen
© HHLA_ Martin Elsen

Der Hamburger Hafen ist weiterhin das zentrale Exporttor für über 60 Prozent der bayerischen Exporte. Das dokumentierte Harald Kreft, Leiter der Hamburger Hafenbahn, die ein Geschäftsbereich der Hamburg Port Authority AöR, im Lenkungskreis Schienenverkehr.

„Laut einer Sonderauswertung der Bundes-Seeverkehrsprognose 2040 durch die IHK Nord werden die schienengebundenen Gütermengen sogar überproportional steigen. Das große Wachstum im Schienengüterverkehr wird dabei insbesondere vom wachsenden kombinierten Verkehr bestimmt“, erklärte Kreft.

"Das große Wachstum im Schienengüterverkehr wird dabei insbesondere vom wachsenden kombinierten Verkehr bestimmt."

Aus wirtschaftlicher Sicht sollte auch bei der Schienenwegplanung mitgedacht werden, wo maßgeblich in Deutschland Wertschöpfung generiert wird. „Engpässe aus Sicht der Seehäfen bestehen aktuell insbesondere zwischen Hamburg-Hannover, Hannover-Magdeburg, Bremen-Hannover und Bebra-Würzburg-Nürnberg. Das sind Knackpunkte im Netz. Wir benötigen dringend eine signifikante Erhöhung der Kapazitäten auf der Schiene, die nur mit Neubauprojekten wie der Y-Trasse ausreichend gesteigert werden kann.“

Aus seiner Sicht seien auch kleine und kurzfristige Maßnahmen ergänzend nötig. So würden etwa Überleitverbindungen, die Wiederherstellung von Gleichwechselbetrieb und der Ausbau des 740-Meter-Netzes erhebliche Kapazitäten im Schienennetzes erzeugen und wesentlich zur Resilienzstärkung beitragen. Kreft bemängelte, dass die Investitionsmittel des Bundes für Häfen seit Jahren nicht erhöht wurden und die Bundeshaushaltsmittel für die NE-Bahnen, die maßgebliche Quellen und Ziele des Schienengüterverkehrs seien, nicht ausreichten. Mit Blick auf den Deutschlandtakt müsse der Schienengüterverkehr besser berücksichtigt werden.

Quelle der Prognose: IHK Nord, Sonderauswertung Seeverkehrsprognose 2040
Quelle der Prognose: IHK Nord, Sonderauswertung Seeverkehrsprognose 2040

Neubau ist die beste Lösung

Die Bahnstrecke zwischen Hamburg und Hannover ist heute schon massiv überlastet. Die Verkehrsbelastung steigt weiter. Die Pünktlichkeitsquote liegt auf der Strecke bei nur 60 Prozent. Ute Plambeck, Konzernbevollmächtigte für Niedersachsen und Bremen, DB AG, sagte, dass die zusätzliche Infrastruktur für mehr Verkehr auf der Schiene und eine bessere Qualität nötig sei.

„Die zukünftige Infrastruktur wird in zwei Stufen gebaut“, so Plambeck. „Kurzfristig wird mit der Qualitätsoffensive und der Generalsanierung „xxl“ die Bestandsstrecke auf den aktuellen Stand der Technik gebracht. Die Generalsanierung „xxl“ wird auf 2029 geschoben, um zusätzliche Maßnahmen umzusetzen.“  Dadurch könne die Leistungsfähigkeit um rund acht Prozent gesteigert werden.

 „Große Teile von Alpha E werden umgesetzt, aber für die Verkehre von morgen reicht die Kapazität nicht. Zwei Gleise mehr sind nötig.“

Ute Plambeck

Frank Limprecht, Leiter Infrastrukturprojekte Nord, DB InfraGO AG, belegte, dass nur mit zwei zusätzlichen Gleisen die prognostizierten Verkehrsbedarfe abgefahren werden können. „Ein reiner Bestandsausbau, die sogenannte Alpha-E-Lösung, reicht hierfür nicht aus. Vor allem im Abschnitt Hamburg–Hannover deutlich nicht. Nur die Neubaustrecke und das optimierte Bestandsnetz können die erforderliche Zuganzahl von mindestens 385 Zügen täglich plus Reserve auffangen.“

"Nur die Neubaustrecke und das optimierte Bestandsnetz können die erforderliche Zuganzahl von mindestens 385 Zügen täglich plus Reserve auffangen.“

Frank Limprecht

Limprecht sagte, dass 29 verschiedene Varianten untersucht wurden und die Analysen auf der Projektwebsite www.hamburg-bremen-hannover.de/hannover-hamburg öffentlich einsehbar sind.

Die Vorzüge des Neubaus gegenüber eines Bestandsausbaus wären etwa

  • Doppelt so viele betroffene Wohnungen beim Ausbau als beim Neubau
  • Eingriff in Naturschutzgebiete geringer
  • Bestandsausbau ca. 20 Jahre längere Bauzeit
  • Kosten Neubau ca. 6,7 Milliarden Euro, Bestandsausbau ca. 9,3 Milliarden Euro

Zudem gebe es beim Neubau neue Haltestellen bei Soltau und Bergen. Auch ermögliche der Neubau hohe Fahrzeitgewinne:

  • Soltau → Hamburg: jetzt 84 Minuten → neu 30 Minuten
  • Soltau → Hannover: jetzt 59 Minuten → neu 40 Minuten
  • Bergen → Hannover: jetzt 67 Minuten → neu 30 Minuten
  • Bergen → Hamburg: jetzt 142 Minuten → neu 45 Minuten

Knappes Gut „Serviceeinrichtungen“ auf der Schiene

©Arverio / Fabian Amini
©Arverio / Fabian Amini

Über verspätete Züge wird allerorts und viel gesprochen. Die Ursachen sind vielfältig; veraltete Infrastruktur und überlastete Strecken sind bekannte Gründe. Über Serviceeinrichtungen wie Abstellanlagen, Wartungseinrichtungen und Ver- und Entsorgung wird erstaunlich wenig in diesem Zusammenhang gesprochen. Dennoch sind Serviceeinrichtungen wesentlich für einen reibungslosen Ablauf auf dem deutschen Schienennetz. Fabian Amini, CEO, ARVERIO Deutschland GmbH, sagte: „Vor allem die Abstellmöglichkeiten werden immer knapper. So reichen in Regionen wie Aachen, Hamm, Dortmund oder München die Gleiskapazitäten längst nicht mehr aus. Die Folge sind steigende Konfliktmeldungen und Beschwerden bei der Bundesnetzagentur. Und das erwartete Wachstum im Schienenpersonenfern- und Güterverkehr erhöht den Bedarf. Aber die Anforderungen an einen effizienten Betrieb gehen deutlich über die gesetzlichen Regelungen für Serviceeinrichtungen hinaus. So müssen beispielsweise auch Pausenräume, Parkplätze, Lagerräume und Zugänge für Personal mitgedacht werden.“

„Vor allem die Abstellmöglichkeiten werden immer knapper."

Laut Amini mangele es überhaupt an einer transparenten Datenlage. Es sei unklar, wie stark Anlagen ausgelastet sind und IT-Systeme reichten nicht aus. Hier fehle ein Gesamtüberblick und es bedarf eines ganzheitlichen Ansatzes zur Verbesserung der Situation. Deshalb gebe es vier Handlungsfelder, an denen angesetzt werden müsse:

  • Strategische Planung (z. B. Berücksichtigung des Bedarfs an Serviceeinrichtungen in Planungen zum Deutschlandtakt, bessere Koordination zwischen Bund, Ländern, Aufgabenträgern und Infrastrukturbetreibern)
  • Ausbau und Modernisierung (z. B. Frist- bzw. zeitgerechte Bereitstellung erforderlicher und marktgerechter Anlagen)
  • Kapazitätsmanagement (z. B. Herstellen von Transparenz über tatsächliches Angebot, tatsächlichen Bedarf und resultierende Kapazitätsengpässe)
  • Zuverlässigkeit & Funktionalität (z. B. Ausrichtung der Funktionalität und Ausstattung von Serviceeinrichtungen an Anforderungen und Bedürfnissen der Eisenbahnverkehrsunternehmen)

Die Sanierung der Bahn aus Sicht der Regierung und der Opposition

Im Lenkungskreis Schienenverkehr haben zwei Bundestagsabgeordnete ihre Sicht auf eine Reform der Bahn hin zu einem zuverlässigen Verkehrsangebot und deren Finanzierung beurteilt.

"Besonders wichtig ist mir neben der Digitalisierung auch der Ausbau von Strecken sowie die Sanierung der Infrastruktur und Weichen, um Kapazitätsengpässe zu beheben."

Florian Oßner, MdB

Für die Regierungsfraktion CDU/CSU wies Florian Oßner, MdB, darauf hin, dass die Schiene so viele Finanzmittel wie noch nie zuvor erhalte. "Insgesamt wollen wir bis 2029 über 106 Milliarden Euro dafür bereitstellen, mehr als eine Verdoppelung. Besonders wichtig ist mir neben der Digitalisierung auch der Ausbau von Strecken sowie die Sanierung der Infrastruktur und Weichen, um Kapazitätsengpässe zu beheben." Dennoch lassen sich nicht alle Probleme bei der Bahn mit mehr Geld lösen. Es brauche auch zeitgleich dringend strukturelle Reformen. Entscheidungen müssten schneller und transparenter gefällt sowie die Mittel effizienter eingesetzt werden. "Für mich stehen investive Ausgaben im Vordergrund, die für mehr Wachstum und Beschäftigung in Deutschland sorgen."

"Ich plädiere für einen Schienen-Fonds, der eine auskömmliche und verlässliche Finanzierung sicherstellt.“

Matthias Gastel, MdB

Die Sicht der Opposition vertrat Matthias Gastel, MdB, Bündnis 90/Die Grünen. Gastel sah die Finanzierungspolitik kritisch. „Notwendige Aus- und Neubauten, Elektrifizierung und Digitalisierung werden nur unzureichend finanziert und Trassenpreise steigen um bis zu 17 Prozent. Gleichzeitig fließen Mittel in Steuererleichterungen wie die Pendlerpauschale, statt in den Ausbau des ÖPNV. Ich plädiere für einen Schienen-Fonds, der eine auskömmliche und verlässliche Finanzierung sicherstellt“, so Gastel. Der Grünen-Politiker ging auf die Strukturreform der Deutschen Bahn ein, die unter der Ampel-Regierung gestartet, jedoch noch nicht abgeschlossen wurde. „Notwendig sind vor allem die stärkere Entflechtung von Gewinnabführung und Personal sowie klare Eigentümerstrategien für die Bahn, um Kontinuität über Legislaturperioden hinweg zu gewährleisten.“