Wie die Bahn besser wird: Digitalisierung in der Instandhaltung

11.03.2026

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Der Schienenschleifzug bei der Nachtschicht ©Vossloh
Der Schienenschleifzug bei der Nachtschicht ©Vossloh

Vorbeugen ist besser als heilen. Dieser Grundsatz der Medizin gilt auch für die Deutsche Bahn: Eine präventive Instandhaltung der Infrastruktur vermeidet Ausfälle und reduziert Streckensperrungen. Digitale Lösungen eröffnen dafür neue Möglichkeiten.

Bereits heute setzt die Bahn auf Prävention. Ein Beispiel: Nacht für Nacht fährt ein Schleifzug der Firma Vossloh über einen Teil des hochbelasteten Netzes der DB. Dank spezieller Technik ist er in der Lage, mit Geschwindigkeiten von bis zu 80 Stundenkilometern im normalen Güterverkehr mitzuschwimmen und lässt sich somit ohne Sperrzeiten nahtlos in den Fahrablauf integrieren.

Morgens ist auf dem bearbeiteten Abschnitt eine feine Schicht in der Größenordnung von 0,1 Millimetern abgetragen worden. Schienenfehler, die durch die Überfahrt vieler Züge entstehen, können dadurch in einem frühen Stadium beseitigt werden. Die rund 4.000 Kilometer des hochbelasteten DB-Netzes werden dreimal im Jahr mittels dieses Hochgeschwindigkeitsschleifens fit für eine längere Lebensdauer gemacht.

Instandhaltung größter Kostenfaktor

Oliver Schuster ©Markus Steur | Vossloh
Oliver Schuster ©Markus Steur | Vossloh

Die präventive nächtliche Pflege ist ein wichtiger Baustein in der Instandhaltungsstrategie der Bahn und hat neben der Verfügbarkeit des Netzes auch eine große wirtschaftliche Bedeutung. „Bei der Bahninfrastruktur entfällt der größte Teil der Lebenszykluskosten – rund zwei Drittel – nicht auf deren Anschaffung, sondern auf die Instandhaltung“, sagt Oliver Schuster, CEO der Vossloh AG. „Deshalb liegt in einer intelligenten und effizienten Instandhaltung ein enormes Potential.“

„Bei der Bahninfrastruktur entfällt der größte Teil der Lebenszykluskosten – rund zwei Drittel – nicht auf deren Anschaffung, sondern auf die Instandhaltung."

Oliver Schuster

Die größte Schwäche heutiger Wartungspläne ist aus Schusters Sicht, dass sie den tatsächlichen Zustand des Netzes kaum berücksichtigen. „Fristenbasierte Instandhaltung folgt dem Kalender: geprüft, gewartet oder ersetzt wird in festen Intervallen.“ Dieses Vorgehen schaffe Planungssicherheit, könne aber dazu führen, dass Komponenten zu früh ersetzt würden oder Schäden zwischen zwei festen Terminen unentdeckt blieben.

Zustandsbasierte Instandhaltung folgt der Realität im Gleis

Im Einsatz für die Schiene: der Hochgeschwindigkeitsschleifzug von Vossloh ©Vossloh
Im Einsatz für die Schiene: der Hochgeschwindigkeitsschleifzug von Vossloh ©Vossloh

Zustandsbasierte Instandhaltung folgt dagegen der Realität im Gleis: Maßnahmen werden dann ergriffen, wenn Messungen und Inspektionen einen konkreten Bedarf zeigen. Dafür hat Vossloh beispielsweise seinen Schleifzug mit intelligenter Technik ausgestattet. Umfangreiche Sensorik überprüft während der Überfahrt das Längs- und Querprofil der Schienen und liefert der Bahn neben einem frisch geschliffenen Fahrweg auch wertvolle Daten.

Werden diese Messungen ergänzt durch Sensoren an der Infrastruktur selbst, etwa auf Weichenschwellen, sowie Aufnahmen an der Strecke, die das Zusammenspiel von Schiene und Rädern der darauf fahrenden Züge zeigen, ergibt sich ein komplettes Bild von Zustand, Belastung und Veränderungen im Netz.

 

Weniger Ausfälle, geringere Kosten

Befund: Nach der Messung werden die Daten gesichtet ©Vossloh
Befund: Nach der Messung werden die Daten gesichtet ©Vossloh

Auf dieser Basis wird vorausschauende Instandhaltung möglich: Digitale Daten werden nicht nur zur Zustandsbeschreibung genutzt, sondern auch zur Prognose.  Vossloh etwa sammelt die Daten auf seiner Cloud-Plattform Vossloh connect und analysiert sie mithilfe von künstlicher Intelligenz. In Verbindung mit der langjährigen Bahnexpertise des Unternehmens und dem Verständnis für das System des Fahrwegs Schiene entstehen so maßgeschneiderte Empfehlungen für eine effiziente und wirtschaftliche Instandhaltung.

„Intelligente Instandhaltung ist ein starker Hebel für eine starke Bahn."

Oliver Schuster

Schätzungen beziffern die möglichen Effekte einer solchen „smart maintenance“ der Bahninfrastruktur auf 15 bis 30 Prozent geringere Kosten für Instandhaltung und 15 bis 25 Prozent weniger Ausfälle (UIC 2024). Für einen zuverlässigen Bahnbetrieb ist der Zustand des Netzes von entscheidender Bedeutung. Bis zu 80 Prozent der Verspätungen von Fernzügen sind etwa nach Angaben der Deutschen Bahn auf marode Infrastruktur zurückzuführen.

Schusters Fazit: „Weniger Störungen, geringere Kosten, höhere Zuverlässigkeit und mehr Pünktlichkeit: Intelligente vorausschauende Instandhaltung ist ein starker Hebel für eine starke Bahn.“

Dieser Artikel ist ein Beitrag der Vossloh AG

Weiterführende Informationen bei:

Ivo Banek, Corporate Public Relations, VOSSLOH AG

ivo.banek@vossloh.com

www.vossloh.com