Nicht erfasst: 30 Prozent mehr Güterzüge auf deutschen Schienen unterwegs

09.06.2026

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Copyright: Deutsche Bahn AG Oliver Lang
Copyright: Deutsche Bahn AG Oliver Lang

Bereits seit etwa 2015 fiel Experten auf, dass deutlich mehr Güterzüge durch Deutschland rollen als in den offiziellen Statistiken vermerkt. Viele Züge wurden schlicht nicht erfasst – vor allem im intermodalen Verkehr und bei ausländischen Bahnunternehmen. Das belegte Wolf-Dietrich Geitz beim Lenkungskreis Schienenverkehr.

Tatsächlich fuhren teilweise 30 Prozent mehr Güterzüge als bisher angenommen: „Studien bestätigen dies“, so Verkehrsexperte Wolf-Dietrich Geitz, Managing Partner, railistics GmbH.

"Das Ergebnis ist alarmierend: Schon 2019 fuhren auf mehreren wichtigen Strecken mehr Güterzüge als in der für den Bundesverkehrswegeplan zu Grunde liegenden Prognosen für das Jahr 2030 prognostiziert wurden."

Eine umfassende Untersuchung wertete laut Geitz große Datenmengen aus, befragte Häfen, Bahngesellschaften und Infrastrukturbetreiber und prüfte bestehende Prognosen. „Das Ergebnis ist alarmierend: Schon 2019 fuhren auf mehreren wichtigen Strecken mehr Güterzüge als in der für den Bundesverkehrswegeplan zu Grunde liegenden Prognosen für das Jahr 2030 prognostiziert wurden. Besonders betroffen waren dabei die Korridore Aachen–Köln, Aachen–Mönchengladbach und Emmerich–Duisburg“, erläuterte Geitz. Und weiter: „Das sind zentrale Verbindungen für den internationalen Güterverkehr zwischen den großen Nordseehäfen Rotterdam und Antwerpen und dem Ruhrgebiet in Nordrhein-Westfalen. Die Studie belegt, dass hier Kapazitätsengpässe drohen und selbst die geplanten Ausbauten wohl nicht ausreichen, um alle Probleme zu lösen.“

Geitz fasste die Analyse so zusammen: „Die bisherigen Prognosen für den Schienengüterverkehr haben den realen Verkehr über Jahre hinweg massiv unterschätzt. Deshalb müssen zukünftige Prognosen realistischer werden und internationale Güterströme deutlich stärker berücksichtigen.“ Nur so könnten die dringend nötigen Infrastrukturmaßnahmen rechtzeitig geplant und umgesetzt werden.

 

Internationale Bahntickets einfacher kaufen

https://www.verkehrsforum.de/de/presse/bilder-und-videos/2026-02-24-lenkungskreis-schienenverkehr
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Die Deutsche Bahn will gemeinsam mit anderen europäischen Bahngesellschaften das internationale Ticketing deutlich vereinfachen. Im Zentrum steht das sogenannte Open Sales and Distribution Model (OSDM) – ein einheitlicher Branchenstandard für den digitalen Ticketverkauf in Europa. Fabian Schulz-Luckenbach, Head of Public Affairs International Long-Distance Passenger Transport, DB Fernverkehr AG, sagte, dass die DB AG bereits heute über 300 internationale Fernverkehrsverbindungen täglich anbiete und Deutschland direkt ohne Umstieg mit 14 europäischen Ländern verbinde. „Im Jahr 2025 haben wir 25 Millionen Fahrgäste grenzüberschreitend befördert und wissen, dass immer mehr bereit sind, längere Zeit im Zug zu verbringen. So fahren beispielsweise rund 75 Prozent der Reisenden auf der Direktverbindung zwischen Berlin und Paris durch – und das bei knapp acht Stunden Fahrtzeit.“

„Im Jahr 2025 haben wir 25 Millionen Fahrgäste grenzüberschreitend befördert und wissen, dass immer mehr bereit sind, längere Zeit im Zug zu verbringen."

Allerdings sei trotz des umfangreichen Angebots der Ticketkauf für grenzüberschreitende Fahrten in der Vergangenheit oft umständlich gewesen. Unterschiedliche Buchungssysteme, fehlende Standards und die öfters bestehende Notwendigkeit, Tickets bei mehreren Anbietern zu kaufen, hätten den Kaufprozess erschwert.

Gemeinsamer Vertriebsstandard notwendig

OSDM solle einen gemeinsamen Vertriebsstandard ermöglichen. Schulz-Luckenbach: „Fahrgäste können dank OSDM internationale Verbindungen mehrerer europäischer Anbieter nun in einem einzigen Buchungsschritt kaufen, zum Beispiel über vertraute Plattformen wie den DB Navigator oder bahn.de“. Dank OSDM seien bereits 8.000 neue europäische Reiseziele über die Deutsche Bahn buchbar – darunter Verbindungen nach Frankreich, Großbritannien, Italien, Österreich, Schweden und in die Schweiz. Bei verpassten Anschlüssen gelte weiterhin das „Agreement on Journey Continuation“ und sichere die Weiterreise.

Schulz-Luckenbach hielt eine strenge Regulierung für unnötig. „Die Branche hat mit OSDM eine gute Lösung auf den Weg gebracht und wird diese weiter ausbauen. Eine Regulierung sollte deshalb mit Augenmaß erfolgen.“

Von der Reformagenda zum Infraplan

Der Infraplan soll als neues zentrales Steuerungsinstrument die Infrastrukturplanung der Schiene deutlich verbessern. Er steht im Kern der Reformagenda des Bundesverkehrsministers und zielt darauf ab, die Einflussmöglichkeiten des Bundes auf die Bahninfrastruktur zu stärken und die Strategie mit konkreter Umsetzung zu verknüpfen.

Dr. Florian Gizzi, Leiter Projektgruppe Entwicklung und Umsetzung Infraplan, Bundesministerium für Verkehr (BMV), sagte, dass die Projektgruppe die Einführung des Infraplans derzeit intensiv vorantreibe. „Dieses neue Instrument soll die Infrastrukturplanung der Schiene deutlich effektiver steuern und die Einflussmöglichkeiten des Bundes gegenüber der DB InfraGO AG stärken.“

Einordnung in die Reformagenda

Der Infraplan fällt unter die Säule „Maßnahmen des Bundes“ zur Erreichung der gesetzten Ziele des BMV für die DB. Gizzi: „Ein dafür angestrebtes strategisches Infrastruktur-Gesamtkonzept soll künftig eng auch mit den gesellschaftsrechtlichen Steuerungsinstrumenten des Bundes verzahnt werden. Hier hat der Bund seine Einflussmöglichkeiten durch zusätzliche Mandate und personelle Anpassungen im Aufsichtsrat der DB InfraGO AG bereits gestärkt.“

Dreistufiger Aufbau

Gizzi sagte, der Infraplan sei ein zentrales Element innerhalb des dreistufigen Infrastruktur-Gesamtkonzepts:

  • Leitstrategie mit einem integrierten stabilen Takt zwischen Nah- und Fernverkehr unter Einbeziehung des Schienengüterverkehrs (Deutschlandtakt) als langfristiges Ziel.
  • Zielnetz 2035 als mittelfristiger Referenzrahmen (ca. zehn Jahre), der die angestrebte Gesamtsituation von Bestand sowie Aus- und Neubau beschreibt.
  • Infraplan als rollierende Planung über 5 Jahre, der jährlich fortgeschrieben wird und konkrete Zeit-, Qualitäts- und Mengenziele für das laufende Jahr plus vier Folgejahre enthält.

Das Zielnetz 2035 diene dabei als Orientierung, aus der die jährlichen Prioritäten abgeleitet werden. Laut Gizzi sei eine enge Verzahnung mit der Finanzplanung des Bundes und den internen Planungsprozessen der DB InfraGO vorgesehen.

Die operative Umsetzung sollte laut Gizzi künftig über die Finanzierungsvereinbarungen inkl. der geplanten Leistungsvereinbarung InfraGO verankert werden. Zudem sollen die Abläufe durch eine gesetzliche Festlegung verbindlich gemacht werden.