Stärkung des Luftverkehrsstandorts Deutschland

09.06.2026

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Stärkung des Luftverkehrsstandorts Deutschland

Die Koalition hat vereinbart, dem Luftverkehrsstandort Deutschland bessere Wettbewerbschancen zu verschaffen und die Konnektivität wieder auszubauen – durch eine Senkung der Standortkosten und durch weitere strukturelle Maßnahmen. Beim Lenkungskreis Luftverkehr erläuterte Staatssekretär Stefan Schnorr, was aus Sicht des BMV bereits erreicht wurde und woran noch gearbeitet wird.

Stefan Schnorr, Staatssekretär im Bundesministerium für Verkehr (BMV), stellte die Ziele der Bundesregierung vor, den Luftverkehrsstandort Deutschland zu stärken. Die Regierung betrachte den Luftverkehr positiv und suche im engen Dialog mit der Branche nach Entlastungen bei den Standortkosten: „Ein zentraler Schritt ist die geplante Absenkung der Luftverkehrsteuer, die eine jährliche Entlastung von 345 bis 355 Millionen Euro bringen soll. Die Gegenfinanzierung ist schwierig und darf nicht zu Lasten der Verkehrsinfrastruktur gehen. Weitere strukturelle Maßnahmen und Effizienzsteigerungen wollen wir in den Bereichen Flugsicherung und Luftsicherheit umsetzen.“ Die Flugsicherungsgebühren seien bereits 2026 gesenkt worden. Der Lenkungskreis plädierte dafür, dass die Basiskosten der Flugsicherung und der Luftsicherheit künftig vom Bund getragen werden. Es handelt sich um öffentliche Aufgaben. Im Bereich der Flugsicherung steigen auch die verteidigungsbedingten Anforderungen.

Kein Gold-Plating mehr

Schnorr sagte, dass für die Luftfracht derzeit rund 60 Maßnahmen geprüft würden. Dazu gehörten unter anderem Schulungen, die Vereinfachung des Erhebungsverfahrens der Einfuhrumsatzsteuer sowie ein eigenes Bürokratierückbaugesetz des Bundesverkehrsministeriums für den Verkehrssektor. Zudem kündigte der Staatssekretär einen Gesetzentwurf zur digitalen Reisekette im Luftverkehr an.

"Die Förderung von nachhaltigem Flugkraftstoff, insbesondere synthetisches SAF, wird weiter ausgebaut – unter anderem über Ausschreibungen von H2Global.“

Besprochen wurde außerdem die künftige Nationale Luftfahrtstrategie. Der Entwurf hat inzwischen die Ressortabstimmung und die Verbändeanhörung durchlaufen. Schnorr betonte, dass die strikte Trennung zwischen ziviler und militärischer Luftfahrttechnologie nicht mehr zeitgemäß seien. Die Bundesregierung wolle auch das „Gold-Plating“ bei EU-Vorschriften beenden. „Ein Beispiel ist die Abschaffung der nationalen Sonderquote für PtL-Kerosin. Die Förderung von nachhaltigem Flugkraftstoff, insbesondere synthetisches SAF, wird weiter ausgebaut – unter anderem über Ausschreibungen von H2Global.“

 

Chancen im Narrow-Body-Markt

Chancen im Narrow-Body-Markt

Dr. Roland Wilhelm, Chief of Technology Partnerships bei Rolls-Royce Deutschland, berichtete über die erfolgreiche Restrukturierung und Zukunftsstrategie des Konzerns. Deutschland sei nach Großbritannien der zweitgrößte Standort des Unternehmens. 50 Prozent der Erträge stammten aus dem zivilen Luftfahrtgeschäft.

SAF, Effizienz und Wasserstoff

„Sicherheit hat bei Rolls-Royce absolute Priorität. Wir sind heute Weltmarktführer bei Triebwerken für Widebody- und Ultralangstrecken-Geschäftsreiseflugzeugen und wollen den Wiedereinstieg in das Narrow-Body-Segment“, erklärte Wilhelm. „Ein wichtiger Treiber für den weltweiten Luftfahrtmarkt ist das auf globaler Skala wachsende Pro-Kopf-Einkommen. Der Schutz gegen militärische Bedrohungen und die Sicherheit der Energieversorgung sind weitere drängende Handlungsfelder, auf denen Rolls-Royce Lösungen anbietet.“

"Wichtig ist, dass das LuFo auch höhere Technologiereifegrade unterstützt. Rolls-Royce kann die volle Systemfähigkeit und Technologieführerschaft sicherstellen – zum Vorteil aller Standorte.“

Die mittelfristige Entwicklung werde von Effizienzsteigerungen und dem Einsatz von Sustainable Aviation Fuel (SAF) geprägt. Der Rolls-Royce UltraFan™ Technologie-Demonstrator ziele auf 15 Prozent Kraftstoffeinsparung und 100-prozentige SAF-Fähigkeit ab. Bei „Zero Emissions“ habe Rolls-Royce 100 Prozent Wasserstoff in einem Triebwerk getestet. Wilhelm dazu: „Wasserstoffflugzeuge müssen technologisch komplett neu konzipiert werden. Auch die notwendigen Investitionen in die Infrastruktur sind eine Herausforderung. Wir sehen einen möglichen Beitrag auch in der verstärkten Elektrifizierung zur Unterstützung des Strahltriebwerks.“

Bei Forschung und Förderung sah Wilhelm eine hohe Übereinstimmung zwischen der Technologie-Roadmap von Rolls-Royce und dem Luftfahrtforschungsprogramm der Bundesregierung sowie der EU. Er betonte die Bedeutung einer starken Forschungsförderung. Großbritannien habe seine Förderung in den letzten Jahren deutlich ausgebaut. „Wichtig ist, dass das LuFo auch höhere Technologiereifegrade unterstützt. Rolls-Royce kann die volle Systemfähigkeit und Technologieführerschaft sicherstellen – zum Vorteil aller Standorte.“

Starker Standort braucht fairen Wettbewerb

Quelle: Lufthansa Group / BDF
Quelle: Lufthansa Group / BDF

„Rund zwei Drittel der mehr als 100.000 Beschäftigten der Lufthansa Group arbeiten in Deutschland. Der Konzern investiert jährlich etwa drei Milliarden Euro in neue Flugzeuge. Unsere Airlines verbinden Europa mit der Welt. Allein von deutschen Airports starten pro Jahr 14.000 Flüge. Damit bieten wir Passagieren, Logistik und Wirtschaft breite Konnektivität.“ Mit diesem Statement unterstrich Simon Rimrod, Vice President und Head of Network Management der Lufthansa-Gruppe, die enge Verbindung des Unternehmens mit dem Standort Deutschland.

Mit Blick auf den Konflikt in der Golf-Region warnte Rimrod vor erheblichen Kosten für die Branche. „Allein in diesem Jahr können die enorm gestiegenen Kerosinpreise für die Lufthansa Group Mehrkosten von bis zu 1,7 Milliarden Euro verursachen – obwohl wir durch „Hedging“ verhältnismäßig gut abgesichert sind.“

"Seit 2019 haben sich die Steuern und Gebühren hierzulande verdoppelt. Deutschland gehört weiterhin zu den teuersten Luftverkehrsstandorten Europas."

Der Manager begrüßte die Maßnahmen der Bundesregierung zur Stärkung des Luftverkehrsstandorts ausdrücklich, denn Deutschland leide unter besonders hohen Standortkosten. „Das ist ein wichtiger Schritt für die Stärkung der Konnektivität in und ab Deutschland – allerdings noch keine Trendwende. Seit 2019 haben sich die Steuern und Gebühren hierzulande verdoppelt. Deutschland gehört weiterhin zu den teuersten Luftverkehrsstandorten Europas. Viele innerdeutsche Strecken sind durch die hohen staatlichen Kosten nicht mehr wirtschaftlich“, so Rimrod. Zudem mahnte er Maßnahmen für fairen Wettbewerb an. „Wir brauchen mit unserer internationalen Konkurrenz ein Level-Playing-Field. Das gilt insbesondere in der Klimapolitik. Hier brauchen wir eine rasche Kurskorrektur.“