Wie der KV an Aufschwung gewinnt

09.06.2026

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Wie der KV an Aufschwung gewinnt

Beim 70. Lenkungskreis Güterverkehr und Logistik stellte Nicole Tews, Oliver Wyman, die Studie „Winning Intermodal“ vor. Darin: klare Chancen für den Kombinierten Verkehr auf der Langstrecke, doch bei Strecken unter 600 km hat die Straße die Nase vorn. Die Studie zeigt dabei auch Hebel und Maßnahmen, die den KV attraktiver machen.

© Oliver Wyman
© Oliver Wyman

Nicole Tews, Partnerin Transport und Logistik bei Oliver Wyman, erklärte die Ergebnisse der Studie „Winning Intermodal“, die gemeinsam mit der Hupac Group erarbeitet wurde. So seien laut Studie Distanzen ab etwa 600 km potenziell für den KV geeignet, während auf Strecken darunter die Straße effizienter bleibe.

„Über die letzte Dekade trieb der KV mit über vier Prozent pro Jahr das Wachstum im Schienengüterverkehr, befindet sich derzeit jedoch in einer rezessiven Phase. Nach Krisen erreicht der KV regelmäßig sein altes Niveau wieder“, so der positive Ausblick von Tews. „Um wieder zu wachsen, muss der KV kundenzentrierter und sein Betriebsmodell digitaler und durchgehender werden. Entscheidend sind auch gesicherte Kapazitäten, Vorhersagbarkeit und Transparenz sowie Zuverlässigkeit. Und natürlich ein wettbewerbsfähiger Preis“

„Besonders für Neukunden muss der Zugang zum KV verbessert und das Angebot breiter, individuell abgestimmt und entlang der Transportkette integrierter gestaltet werden.“

Insbesondere müsse der KV seine Kosteneffizienz steigern. Die größten Hebel dafür seien die Digitalisierung entlang der Transportkette, der Abbau von Schnittstellen, höhere Produktivität der Eisenbahnverkehrsunternehmen bei gleichbleibender Qualität und eine durchgängige europäische Planung und Abwicklung. Das Thema Nachhaltigkeit spiele laut Studie nur eine untergeordnete Rolle.

Aktuell liege laut Tews der Break-even-Punkt zwischen KV und Straße bei rund 800 km. „Besonders für Neukunden muss der Zugang zum KV verbessert und das Angebot breiter, individuell abgestimmt und entlang der Transportkette integrierter gestaltet werden.“ Zusätzliche Faktoren zur Förderung des KV seien eine europäisch abgestimmte Infrastrukturplanung, besseres Krisen- und Störfallmanagement sowie eine Digitalisierung der Wertschöpfungskette.

Wenn KI komplexe Logistikprozesse orchestriert

© MOSOLF Group • ETECTURE GmbH
© MOSOLF Group • ETECTURE GmbH

Wie kann KI neue Lösungsansätze für alte Probleme finden? Dieser Aufgabe stellten sich Antonio Marsano, Head of IT & Digitalization, MOSOLF SE & Co. KG und Patrick Gebert, Data Scientist, ETECTURE GmbH.

Der neue KI-Ansatz bei MOSOLF gehe, statt wie bisher, nicht von einem Problem aus und suche eine Lösung, sondern starte mit der KI-Technologie und suche passende Anwendungsfälle (Use Cases), fasst eingangs Marsano das Konzept zusammen. Ziel sei es demnach, in einem immer volatileren Marktumfeld nicht nur schneller und effizienter zu arbeiten, sondern vor allem verlässlichere Prognosen zu liefern. Dafür müssten bestehende Prozesse konsequent zu „AI-first“ weiterentwickelt werden. Wichtig seien dabei klare Prozessbeschreibungen, gebündelte Kapazitäten sowie Schulung und Einbindung der Mitarbeitenden, um Akzeptanz und ein offenes Mindset zu schaffen.

„Mit Trucking Pulse wurde bereits ein umfassendes Trucking-Ecosystem bei MOSOLF geschaffen, das viele KI-Anwendungen bündelt und bequem per App zugänglich macht.“

Patrick Gebert

Gebert sagte: „Mit Trucking Pulse wurde bereits ein umfassendes Trucking-Ecosystem bei MOSOLF geschaffen, das viele KI-Anwendungen bündelt und bequem per App zugänglich macht.“ Gebert stellte dazu einige Praxisbeispiele vor:

  • OneDispo / AutoMate: Flexible Disposition, die sich automatisch an neue Rahmenbedingungen anpasst und mit historischen Daten optimiert.
  • ETA-Prediction: Präzise Vorhersage von Fahrzeugbereitstellung und Ankunftszeiten.

Weitere KI-basierte Anwendungsfälle seien AI Glasses, wo Smart Glasses unter Einbindung von KI-Unterstützung bei der Eingangskontrolle und Schadenserfassung bei Fahrzeugen bieten und Tender.io, das Dank automatischer Zusammenfassung großer Textmengen, rechtlicher Vorprüfung und Versionsvergleiche die Bearbeitung von Ausschreibungen erleichtert.

Mautdaten erhöhen Digitalisierung im Straßengüterverkehr

© Toll Collect
© Toll Collect

Welche zentralen Dienste die Toll Collect GmbH daraus bereitstellt, erläuterte Mark Erichsen, Vorsitzender der Geschäftsführung der Toll Collect GmbH. "Rund 45 Prozent der Mauteinnahmen in Deutschland werden heute über die EETS-Anbieter abgerechnet. Durch die zentrale Erhebung bei Toll Collect profitiert der Bund von geringeren Kosten und einer einheitlichen Datenbasis“, so Erichsen. Aus täglich rund 150 Millionen Lkw-Kilometern (Fahrzeuge ab 3,5 t, außer batterieelektrische) entstehe ein nahezu Echtzeit-Lagebild des Straßenverkehrs. Diese Daten stünden über das Lkw-Verkehrsportal zur Verfügung und ermöglichten neue Auswertungen für Verkehrssteuerung und Infrastrukturplanung.

„Künftig sollen auch private Autohöfe einbezogen werden, um dem bestehenden Stellplatzmangel entgegenzuwirken."

Über den seit Juli 2025 in Betrieb genommenen Stellplatz-Informationsdienst (SID) würden die Transparenz bei Lkw-Stellplätzen erhöht und freie Plätze besser ausgelastet. Erichsen zeigte zudem, dass dadurch Suchverkehre reduziert und die Verkehrssicherheit gesteigert werden kann. „Künftig sollen auch private Autohöfe einbezogen werden, um dem bestehenden Stellplatzmangel entgegenzuwirken. Etwas abseits der Autobahn gibt es oft freie Parkplätze, die heute noch nicht digital sichtbar sind.“ Als neue Projekte der Toll Collect GmbH stellte Erichsen den Aufbau des eFTI-Gates für Deutschland sowie die Beteiligung am Aufbau des Ladenetzes vor.