Das plant die Bundesregierung für Wasserstraßen und Schifffahrt

17.09.2026

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Bildquelle DVF: V. l.: Dr. Mellwig;  Matthias Magnor, Lenkungskreisleiter Häfen und Schifffahrt
Bildquelle DVF: V. l.: Dr. Mellwig; Matthias Magnor, Lenkungskreisleiter Häfen und Schifffahrt

In den nächsten vier Jahren (2026 – 2029) stellt der Bund 400 Millionen Euro für die Häfen aus dem Klima- und Transformationsfonds (KTF) bereit. Geplant sind Förderprogramme für umweltfreundliche Umschlaggeräte sowie die notwendige Tank- und Ladeinfrastruktur. Bei der Digitalisierung der Häfen sollen bestehende Förderansätze zusammengeführt werden. Die Wasserstraßen sollen in das Sondervermögen Infrastruktur und Klimaneutralität (SVIK) aufgenommen werden. Ob es zusätzliche Finanzierungsbeiträge des Bundes zur Hafeninfrastruktur geben wird, bleibt weiter ungeklärt.

Dr. Wibke Mellwig, Leiterin der Abteilung Wasserstraßen, Schifffahrt; Bundesministerium für Verkehr (BMV), erläuterte, dass die Nationale Hafenstrategie die Wettbewerbsfähigkeit, Widerstandsfähigkeit und Zukunftssicherheit von See- und Binnenhäfen stärken solle.

„Die Verantwortung für die Finanzierung der Häfen liegt grundsätzlich bei den Ländern, während der Bund für die Anbindung an die Verkehrswege zuständig ist. Die jüngst bewilligten Mittel für militärische Hafeninfrastruktur sind ein wichtiger erster Schritt. Investitionen an der Schnittstelle von Verkehrsinfrastruktur und militärischer Mobilität sind für den Bund ein wichtiger Punkt.“

Mittel aus dem KTF

Aus dem KTF stelle der Bund von 2026 bis 2029 rund 400 Millionen Euro an Unterstützungsmitteln für die Häfen bereit. Konkret plane das BMV ein neues Förderprogramm für umweltfreundliche Hafenumschlaggeräte und die dafür benötigte Tank- und Ladeinfrastruktur. „Die Förderprogramme IHATEC, DigiTest und DTW werden fortgeschrieben und neu aufgestellt. Geplant sind zwei neue Förderprogramme für das gesamte System Schiff-Wasserstraße-Hafen (System SWH), eines für den Forschungs- und Entwicklungsanteil (innoSWH) und ein zweites zur Umsetzung von Digitalisierungs- und Automatisierungsprojekten (digiSWH)“, so Mellwig.

"Geplant sind zwei neue Förderprogramme für das gesamte System Schiff-Wasserstraße-Hafen (System SWH), eines für den Forschungs- und Entwicklungsanteil (innoSWH) und ein zweites zur Umsetzung von Digitalisierungs- und Automatisierungsprojekten (digiSWH).“

Zudem kündigte Mellwig an, dass sich eine neue Förderrichtlinie für die Seeschifffahrt in Vorbereitung befinde. Damit wolle man grüne Schifffahrtskorridoren, die Modernisierung der Küstenschifffahrt und Infrastruktur für alternative Kraftstoffe unterstützen. Im Mittelpunkt stünden Systeme für Strom, Wasserstoff, Ammoniak und Methanol, um Emissionen zu senken, die Flotte zu modernisieren und die technologische Wettbewerbsfähigkeit zu sichern. Die Förderrichtlinie befindet sich derzeit in der Abstimmung. Die Förderrichtline über Zuwendungen für eine grüne Binnenschifffahrt ist am 16. Juni 2026 in Kraft getreten. Zwei Förderaufrufe sind im August 2026 erfolgt.

Europäische Hafenstrategie

Das Bundesverkehrsministerium bewerte die neue europäische Hafenstrategie grundsätzlich positiv. „Verbesserungsbedarf besteht jedoch beim Bürokratieabbau und bei der finanziellen Unterstützung der Häfen. Positiv sind die Maßnahmen zur Stärkung der Resilienz sowie zur Bekämpfung organisierter Kriminalität.“ Bei der Europäischen Maritimen Industriestrategie (EMIS) gehe es um die Sicherung vollständiger Wertschöpfungsketten im Schiffsbau am Standort Europa. Dabei habe man den Wettbewerb aus Asien im Blick und fokussiere sich auf Spezialschiffe und maritime Verteidigung, selbst wenn dies höhere Beschaffungskosten verursache.

„Verbesserungsbedarf besteht jedoch beim Bürokratieabbau und bei der finanziellen Unterstützung der Häfen. Positiv sind die Maßnahmen zur Stärkung der Resilienz sowie zur Bekämpfung organisierter Kriminalität.

Bundeswasserstraßen finanziell besser ausstatten

Mellwig bekräftigte, dass alle baureifen Projekte tatsächlich umgesetzt werden sollten. „Über das Infrastruktur-Zukunftsgesetz wollen wir Wasserstraßenprojekte künftig als Vorhaben von überragendem öffentlichen Interesse einstufen, um Planungs- und Genehmigungsverfahren zu beschleunigen.“ Inzwischen zeichnen sich bei der Finanzierung der Infrastruktur teilweise Verbesserungen ab: Mit dem Haushaltsentwurf 2027 bezieht die Bundesregierung die Wasserstraßen in das SVIK ein. Die Investitionslinie wird um 231 Millionen Euro angehoben. Die Wasserstraßenprojekte im vordringlichen Bedarf werden mit dem IZG in das überragende öffentliche Interesse gestellt.

EU-Handelspolitik in Zeiten globaler Unsicherheit

Aktuelle globale Krisen und die veränderte Außen- und Handelspolitik wichtiger Partnerländer wie den USA könnten zu einer teilweisen Verschiebung der internationalen Handelsströme führen. Rupert Schlegelmilch, Visiting Professor College of Europe; ehemaliger stellvertretender Generaldirektor DG TRADE und seinerzeit Chefunterhändler der EU-Kommission für den Mercosur-Vertrag, betonte, dass die EU-Handelspolitik weiterhin auf den zentralen WTO-Prinzipien der Nichtdiskriminierung, Berechenbarkeit und Reziprozität basiere. „Die EU arbeitet mit Nachdruck und mit Erfolg an bilateralen Abkommen. Trotz der aktuellen Blockaden auf multilateraler Ebene bleibt die WTO aber mit ihren Grundprinzipien ein wichtiger Orientierungspunkt.“

Ein zentrales Schwerpunktthema der laufenden Abkommen und Verhandlungen sei die Sicherung der Rohstoffversorgung. Als Beispiel nannte Schlegelmilch das neue Abkommen mit Australien. Das Abkommen mit den Mercosur-Staaten sehe eine substanzielle, zeitlich gestaffelte Zollsenkung vor und umfasse wichtige Themen wie Automobilexporte, Soja und Rindfleisch aus Ländern wie Brasilien und Argentinien.

"Die EU arbeitet mit Nachdruck und mit Erfolg an bilateralen Abkommen. Trotz der aktuellen Blockaden auf multilateraler Ebene bleibt die WTO aber mit ihren Grundprinzipien ein wichtiger Orientierungspunkt.“

„Mit Indien, das weiterhin sehr hohe Zollschranken aufweist, wird ein weniger ambitioniertes Abkommen vorbereitet. Fortschritte gibt es vor allem bei Industriegütern und Maschinen, während der Automobilsektor zurückhaltender ist. Außerdem laufen Verhandlungen mit Malaysia, Indonesien, den Philippinen sowie den Vereinigten Arabischen Emiraten“, so Schlegelmilch. Mit diesen Initiativen versuche die EU, den weitgehenden Ausfall multilateraler WTO-Regeln zu kompensieren.

Abschließend betonte Schlegelmilch die wachsende Bedeutung der ökonomischen Sicherheit. Die EU werde künftig deutlich mehr Maßnahmen in diesem Bereich ergreifen – von der verstärkten Kontrolle ausländischer Investitionen in kritische Infrastruktur wie Häfen über die Cyber-Sicherheit bis hin zur schärferen Überwachung von Dual-Use-Gütern. Insgesamt sei mit einer Zunahme an EU-Regulierung in diesem Feld zu rechnen.

 

Die deutsche Automobilindustrie: Mittelstand, Globalisierung und handelspolitische Herausforderungen

Bildquelle: privat / Andreas Rade
Bildquelle: privat / Andreas Rade

Die deutsche Automobilindustrie ist mittelständisch geprägt, hochgradig exportorientiert und global aufgestellt. Andreas Rade, Geschäftsführer Verband der Automobilindustrie (VDA), berichtete über die aktuellen Entwicklungen der Automobilindustrie hinsichtlich der Wettbewerbssituation und der Abkommen mit Indien und Mercosur. So sei das Wachstum an anderen Standorten schon immer ein zentraler Erfolgsfaktor für die heimische Industrie. „Diese Dualität stellt jedoch in der aktuellen Lage eine Herausforderung dar. Besonders bei China muss berücksichtigt werden, dass das Land nicht nur ein wichtiger Absatzmarkt, sondern auch ein bedeutender Innovationsstandort ist. Die EU muss daher attraktive Rahmenbedingungen für Innovation schaffen, um nicht überholt zu werden“, mahnte Rade. Als Beispiel nannte Rade die Zulassung von Level 2++ als eigenständige Betriebsform für automatisierte Fahrfunktionen in China. Das Fahrzeug übernimmt komplexe Aufgaben - die rechtliche Verantwortung verbleibt beim Fahrer. „Die EU sollte solche Anwendungen schneller ermöglichen und die Forschungs- und Entwicklungsförderung ausbauen“, forderte Rade.

Auslandsproduktion gesunken

Auslandsproduktion gesunken

Zwischen 2019 und 2026 sei die Auslandsproduktion deutscher OEM um zwei Prozent gesunken mit negativen Auswirkungen auf die Zulieferer. Die Antisubventionszölle der EU auf batterieelektrische Fahrzeuge aus China bewertete Rade daher als problematisch: „Handelspolitische Spannungen mit den USA und China treffen die deutsche Automobilindustrie hart, denn sie gefährden nicht nur den Absatz, sondern auch die Versorgung mit Teilen und Vorprodukten.“

"Handelspolitische Spannungen mit den USA und China treffen die deutsche Automobilindustrie hart, denn sie gefährden nicht nur den Absatz, sondern auch die Versorgung mit Teilen und Vorprodukten.“

Positiv seien jedoch die bilateralen Handelsabkommen der EU. Das Abkommen mit Indien stelle vor allem ein Zukunftsversprechen dar. Das Mercosur-Abkommen berücksichtige die Belange der Industrie angemessen und sei damit ein wichtiger Erfolg. Hinsichtlich der Beziehungen zu Afrika betonte Rade die strategische Bedeutung, insbesondere beim Thema Rohstoffe. Die EU sollte den Kontinent dauerhaft als Partner verstehen und eine nachhaltige Handelspolitik gegenüber Afrika verfolgen. Grundsätzlich müssten internationale Partnerschaften und Kooperationen weiterhin im Mittelpunkt der EU-Politik stehen.

Hafentechnologie: KI-Monitoring bei Transportanlagen

V. l. Dr. van Hoorn, DVF-Geschäftsführerin; Magnor ; Dustin Schiller, ; Dr.Eck, DVF-Geschäftsführer (Sprecher).
V. l. Dr. van Hoorn, DVF-Geschäftsführerin; Magnor ; Dustin Schiller, ; Dr.Eck, DVF-Geschäftsführer (Sprecher).

Dustin Schiller, CEO SHG Conveyor Control GmbH/ Flexco Europe GmbH, erläuterte die Optimierung von stationären Transportbandanlagen durch vorausschauende Wartung und KI-basierte Überwachung: „Die Technologie SHG Conveyor Control, einer Tochter von Flexco, wertet Daten aus den Antriebsmotoren in Echtzeit aus. Dabei kommt eine spezifische Mustererkennung zum Einsatz. Aus Sicherheitsgründen erfolgt die Analyse lokal und nicht in der Cloud. Dabei werden elektrische Daten sowie Vibrationen erfasst.“

Dank dieser Überwachung ließen sich beispielsweise Längsschlitze in den Bandelementen sehr schnell erkennen, woraufhin das System automatisch gestoppt werde. Ein übersichtliches Dashboard ermögliche dem Betreiber eine komfortable Zustandsüberwachung. „Zukünftig planen wir auch ein sprachfähiges, KI-gestütztes Interface, das die Bedienung weiter vereinfachen und entlasten soll. Die Monitoring-Technologie ist modular aufgebaut und somit leicht erweiterbar“, erklärte Schiller.

 "Die Vorteile für die Hafenbetreiber sind weniger Verzögerungen, Ausfälle und Leerlaufzeiten sowie eine größere digitale Transparenz."

Neben der Detektion von Fremdkörpern, Verklemmungen und Schlitzen biete das System weitere Vorteile:

  • Die präzise Erfassung des Massenstroms ermöglicht eine genaue Kontrolle und Kalkulation der Anlagenleistung sowie die Vermeidung von Überlastungen.
  • Die Energieeffizienz steigt, da Anlagen ohne gutes Monitoring häufig stundenlang im Leerlauf laufen.
  • Mit den gesammelten Daten sind präzise elektrische Netzanalysen möglich, was die technische Anlagensicherheit erhöht.

„Im europäischen Hafensektor sind wir derzeit in Rotterdam und Danzig vertreten. Die Vorteile für die Hafenbetreiber sind weniger Verzögerungen, Ausfälle und Leerlaufzeiten sowie eine größere digitale Transparenz. Die Technologie wird im Rahmen eines Lizenzmodells angeboten“, so Schiller abschließend.