Deutschland bietet zu wenig Großprojekte für privates Kapital
17.09.2026
Was wäre, wenn Deutschlands Infrastruktur nicht nur an fehlendem Geld, sondern auch an fehlenden Beteiligungsmodellen scheitert? Im Lenkungskreis Infrastruktur machte Aida Welker von der KfW IPEX-Bank deutlich, wo sie Potenzial sieht: bei mehr privatem Kapital, neuen Finanzierungsmodellen und einer klügeren Verteilung von Risiken. Im Fokus standen dabei die Autobahn GmbH, Öffentlich-Private Partnerschaften und das Wasserstoffkernnetz.
„In Deutschland gibt es trotz des Investitionsbedarfes derzeit zu wenige Großprojekte mit Beteiligungsmöglichkeiten für private Investoren. Um die bestehende Investitionslücke zu schließen, sehe ich die Einbindung von privatem Kapital als dringend erforderlich an“, so das Urteil von Aida Welker, Mitglied der Geschäftsführung der KfW IPEX-Bank, deren Portfolio zu einem Drittel Investitionen in Deutschland umfasst.
"Um die bestehende Investitionslücke zu schließen, sehe ich die Einbindung von privatem Kapital als dringend erforderlich an."
Welker sah vor allem zwei mögliche Modelle, um hier voranzukommen: Eine an der ASFINAG orientierte Kreditfähigkeit der Autobahn GmbH oder das Modell der Öffentlich-Privaten Partnerschaft (ÖPP), welches sie anhand der möglichen Ausschreibung für die A61 erörterte: Im Rahmen des ÖPP-Modells würden die Bewerber die Finanzierung selbst einbringen und die Risiken hinsichtlich Bau, Erhaltung, Betrieb und Finanzierung übernehmen. Der Staat leiste im Gegenzug Verfügbarkeitszahlungen. Als Ausgleich für die übernommenen Risiken erwarten die privaten Akteure allerdings höhere Renditen im Vergleich zu Staatsanleihen.
Welker thematisierte im Zusammenhang mit dem Aufbau des Wasserstoffkernnetzes die Henne-Ei-Problematik. Die Lösung könnte darin bestehen, dass durch den Aufbau der Infrastruktur die Marktentwicklung angestoßen wird. „Die Refinanzierung erfolgt dann langfristig über Netzentgelte. Zur Überbrückung der anfänglich erwarteten Defizite kann ein Amortisationskonto als Ausgleichsmechanismus dienen“, so Welker.