Tankstellengeschäft im Wandel: Diversifizierung ist entscheidend
17.09.2026
Transformation der Antriebe, rückläufige Kraftstoffverkäufe und steigende Kosten sind aktuell zentrale Herausforderungen und führen das Tankstellengeschäft in einen tiefgreifenden Wandel. Das Thema Antriebs- und Kraftstoffwende wurde im Lenkungskreis Straßenverkehr einem Realitätscheck unterzogen und erörtert, wie sich die Tankstellen auf Transformation und veränderte Rahmenbedingungen einstellen.
In Deutschland schließen jährlich rund 120 Tankstellen und seit der Covid-Pandemie sank der Kraftstoffabsatz um etwa 15 Prozent. Achim Bothe, Vorstandsvorsitzender Aral AG, die zur bp Gruppe gehört, erklärte: „Von den rund 14.000 Tankstellen in Deutschland gehören etwa 2.400 zur Marke Aral. Der Trend geht klar hin zur Diversifizierung, sowohl bei Kraftstoffen als auch ultraschnellem Laden, Convenience oder Flottenversorgung, also dem Tankkarten-Geschäft. Unsere E-Mobilitätsmarke Aral pulse ist ein wichtiger Baustein unseres Geschäfts. Wir investieren weiter in den Ausbau und auch in ultraschnelle Lademöglichkeiten für Lkw. Aktuell sind nur rund zwei Millionen Fahrzeuge von insgesamt 49 Millionen Bestands-Pkw in Deutschland elektrifiziert. Die Umstellung verläuft langsamer als es politisch vorgesehen war. Wir benötigen auch Lösungen für die bestehende Verbrennerflotte, dort liegt ein großer Hebel.“
"Aktuell sind nur rund zwei Millionen Fahrzeuge von insgesamt 49 Millionen Bestands-Pkw in Deutschland elektrifiziert."
E-Mobilität braucht schnellere Netzanbindung
Bothe wies auf beträchtliche Engpässe vor allem bei Netzanschlüssen und Genehmigungen hin: „Die Umsetzung der erforderlichen Netzanschlüsse muss schneller werden.“ Gleichzeitig plädierte er für Technologieoffenheit bei Kraftstoffen. Potenzial gebe es neben der Elektromobilität bei emissionsärmeren Kraftstoffen wie z. B. HVO. „Wir brauchen technologische Offenheit, Lösungen für den Bestand und Flexibilität bei Kraftstoffen.“
Globale Krisen treffen die Kraftstoffmärkte
Wie abhängig die Branche von internationalen Entwicklungen ist, zeigte Bothe am Beispiel der Sperrung der Straße von Hormus. „Im Normalfall wurden rund 20 Prozent des weltweit verbrauchten Rohöls und der daraus hergestellten Produkte durch die Meerenge transportiert. Die Angebotsstörung führte zu steigenden Preisen und hoher Volatilität. Da Deutschland Diesel importiert, sind die Auswirkungen hier besonders deutlich.“ Zugleich widersprach Bothe der Vorstellung, dass der Kraftstoffmarkt von integrierten Mineralölkonzernen dominiert werde. Mehr als 70 Prozent der Raffineriekapazität in Deutschland werde von Unternehmen ohne eigenes Tankstellennetz betrieben. Zugleich gehörten rund 65 Prozent der Tankstellen Gruppen ohne eigene Raffinerien. „Preise werden also keineswegs eins zu eins durchgereicht.“